Der Förderverein Mediation im öffentlichen Bereich bietet eine Grundausbildung in Mediation. Dies kann auch in Kooperation mit anderen Institutionen geschehen, wobei das Ausbildungsprogramm dann die spezifischen Bedürfnisse des Kooperationspartners aufnehmen kann. Eines der letzten Beispiele ist ein Seminar in Zusammenarbeit mit dem Niedersächsischen Landvolk und dem Bauernverband Westfalen-Lippe. ⇒Inhalte und Referenten
Im landwirtschaftlichen Bereich gibt es eine Vielzahl an Konflikten, an denen Bauern beteiligt sind. Streitigkeiten mit Verpächtern, Lieferanten, Abnehmern über vertragliche Regelungen sind ebenso häufig an der Tagesordnung wie Auseinandersetzungen mit Jägern oder Behörden. Große Auswirkungen haben Konflikte innerhalb landwirtschaftlicher Betriebe – sei es im Rahmen landwirtschaftlicher Kooperationen oder gar in der eigenen Familie. Bäuerliche Familien schließlich geben aufgrund ihrer speziellen Konstellation – oft mit mehreren Generationen unter einem Dach – Anlass für Auseinandersetzungen außerhalb aber doch mit mittelbarem Einfluss auf betriebliche Strukturen. Die Vertreter der Bauernverbände kennen diese konfliktträchtigen und oft emotional sehr anspruchsvollen Situationen zur Genüge. Die Bewältigung der auftretenden Konflikte ist aber häufig schwierig, einerseits, weil oft auf Seiten der Konfliktparteien jeweils Mitglieder beteiligt sind oder aber auch, weil manchmal das geeignete Handwerkszeug fehlt, um derlei Situationen sachlich und vor allem zum Nutzen aller Beteiligten anzugehen.
Vor diesem Hintergrund haben sich das Landvolk Niedersachsen und der Westfälisch-Lippische Landwirtschaftsverband entschieden, einige ihrer Kreisgeschäftsführerinnen als Mediatoren auszubilden, um als Vermittler in Konflikten zwischen Bauern untereinander und mit Dritten besser als bisher tätig werden zu können. In einer Ausbildung, die vom Förderverein Mediation im öffentlichen Bereich speziell für den landwirtschaftlichen Kontext konzipiert und über einen Zeitraum von rund 6 Monaten durchgeführt wurde, haben sich 16 Teilnehmer intensiv mit der Mediation als alternativer Form der Konfliktlösung befasst und spezielle Techniken im Umgang mit Konflikten zwischen zwei oder mehreren Beteiligten erlernt. „In einem Mediationsverfahren unterstützen Mediatoren die Konfliktparteien in einem fairen und strukturierten Verfahren dabei, eigene Lösungen für den Konflikt zu erarbeiten“, erläutert Harald Wedemeyer vom Landvolk den Kern der Mediation. „Dabei halten sich die Mediatoren mit inhaltlichen Ratschlägen zurück, sie treffen keine Entscheidungen wie etwa Richter oder Schlichter“.
Landvolk und WLV wollen die Mediation als weitere Dienstleistung für ihre Mitglieder anbieten. Das Potential der Mediation kann vor allem in solchen Konflikten genutzt werden, in denen sich die Beteiligten nach Bewältigung des Konfliktes nicht einfach aus den Augen gehen können, weil sie familiär oder betrieblich Beziehungen aufrecht erhalten müssen. Dies ist im landwirtschaftlichen Bereich häufig so, so dass die Mediation den Beteiligten die Chance bietet, ihre Beziehung untereinander im Rahmen einer Mediation wieder auf eine tragfähige Basis zu stellen. Da die Unabhängigkeit der Mediatoren ein unverzichtbares Kriterium für die Durchführung von Mediationsverfahren ist, ist es wichtig, bei Bedarf auch auf Mediatoren benachbarter Kreisverbände zurückgreifen zu können, wenn eine der Konfliktparteien einen Mediator nicht als unabhängig akzeptiert. Dadurch ist es auch möglich, verbandsinterne Streitigkeiten – etwa in der Organisation der Geschäftsstellen oder gar bei Differenzen im Ehrenamt – professionell anzugehen. Geplant ist daher, ein Netzwerk von ausgebildeten Mediatoren der Bauernverbände aufzubauen, um die Erfahrungen aus der Praxis auszutauschen und eigene Kenntnisse und Fähigkeiten weiter zu vertiefen. „Aber zuerst freuen wir uns einmal über die absolvierte Ausbildung und darüber, das Erlernte nun auch in der Praxis anwenden zu können“, so Elfriede Werdermann vom VEL Neuenhaus. Sie ist davon überzeugt, dass die Mediation für die eigene Tätigkeit weitere wichtige Impulse gibt und vor allem zum Wohle der Mitglieder bei betrieblichen und familiären Konflikten eingesetzt werden kann.